Robinie

Bild: Michael Luckas

Baum des Jahres – Robinie

Eine polarisierende Wahl der Dr. Silvius Wodarf Stiftung denn die Robinie stammt aus Nordamerika, wurde erst 1640 nach Europa importiert und gilt bei uns als invasive Baumart. Das weicht stark von den bislang streng heimisch gewählten Bäumen ab.

Als Schmetterlingsblütler ist die Robinie in der Lage, mithilfe der Knöllchenbakterien an den Wurzeln eigenen Stickstoffdünger herzustellen. So verbessert sie sich den Boden und ist auf den seltenen und wertvollen mageren Böden bei Natur- und Artenschützern unbeliebt. Gegen Fraß schützen sich junge Bäume durch kräftige 3 cm lange Nebenblattdornen, ältere sind weitgehend unbedornt. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, setzen sich neben dem Blattstiel aus kleineren rundlichen Fiederblättchen zusammen. Die Borke kann im Laufe der Jahre 15 cm dick werden und ist dann tief gefurcht.

Häufig wird sie als Falsche oder Schein-Akazie bezeichnet, dasselbe sagt der botanische Name Robinia pseudoacacia aus.  Auch ist der Name „Silberregen“ gebräuchlich in Anlehnung an Gold- und Blauregen, weil sie in allen Teilen des Baumes giftig ist. Ausnahme sind nur die weißen, stark duftenden Blüten. Im Mai bis Juni herrscht dort reges Treiben durch Bienen, Hummeln und andere Blütenbesucher. Der beliebte und sogenannte Akazien-Honig stammt bei uns immer von der Robinie.

Die 4 bis 14 nierenförmigen Samen sitzen in geflügelten Hülsen. Weil sie aber so schwer sind, fallen sie trotz Wind relativ nahe am Baum zu Boden. Auch Wurzelschösslinge sind möglich, aber nur bei starken Störungen des Baums (z.B. massiver Rückschnitt) oder des Bestands (z.B. Rodung). In trocken-heißen Gebieten kann die Robinie im Ausbreitungsdrang lästig werden und auf kargen Standorten andere Arten verdrängen. – Hat aber als Pionierbaum (= Erst-Besiedler) keine Chance bei besseren Bodenverhältnissen. Hier wird sie von anderen Baumarten rasch überwachsen. Schatten verträgt sie nämlich gar nicht.

Die Robinie blickt bei uns auf eine Jahrhunderte lange Kulturtradition. Die Wildart wird gerne als Straßenbaum gepflanzt, weil sie das trockene Stadtklima und die magere Bodensituation recht gut verträgt. In Gärten ist die kleinbleibende Kugelform `Umbraculifera´ verbreitet und in Parks findet sich die gelblaubige `Frisia´, die einen schönen Kontrast zu nebenstehenden dunkellaubigen Bäumen bildet. Auch als Forstbaum spielt die Robinie eine zunehmende Rolle. Das Holz ist widerstandsfähig, trotz lange der Verwitterung und ist als Bauholz für den Außenbereich wertgeschätzt. Die Trockenverträglichkeit und ihre Schnellwüchsigkeit machen sie auch im Wald wertvoll im Klimawandel.

Die Wahl zum Baum des Jahres 2020 spannt damit einen Bogen von Kulturtradition über Neophyt bis zum Klimawandel. Eine würdige Wahl.

Blume des Jahres – Fieberklee

Eine weite natürliche Verbreitung hat die Blume des Jahre, der Fieberklee. Auf der ganzen Nordhalbkugel wächst diese krautige Pflanze vom Flachland bis in Gebirgsregionen am und im Flachwasser von Flüssen, Bächen und besonders an Mooren. Weil die Naturstandorte in Deutschland selten geworden sind und damit der Fieberklee gefährdet ist, steht er nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Genau deshalb erfolgte die Wahl durch die Loki Schmidt-Stiftung: der Fieberklee als Botschafter für Moore und deren Schutz.

Fieber senken kann der Fieberklee nicht, genauso wenig ist er ein echter Klee. Die dreiteiligen Blätter erinnern nur daran und gaben ihm den botanischen Namen Menyanthes trifoliata (trifoliata = dreiblättrig) Die Blütezeit reicht von Ende April bis Juni. Besonders aus der Nähe sieht man den feinen Blütenbau mit den Fransen. An seine Standorte am Wasserrand ist der Fieberklee hervorragend angepasst: Stengel und Blattstiele haben Hohlkammern und sorgen für Auftrieb, der hohe Gerbstoffanteil verhindert das Verfaulen bei so viel Nässe.

Im Garten fühlt sich der Fieberklee am Teichrand wohl. Dort wächst er gerne ins Wasser hinein, streckt seine Blätter und Blüten darüber. Zu bekommen ist er in jeder gut sortierten Gärtnerei bei den Wasserpflanzen.

Gemüse des Jahres – Gurke

Kalorienarm, wasserreich und sehr beliebt sind die Gurken. Als einjährige Sommerkultur gedeihen die wärmebedürftigen Gewächse in Garten, Frühbeet oder Gewächshaus auch bei uns.

Heimat der Gurken ist Indien. Die Wildart ist extrem bitter und damit ungenießbar. Doch wurde in Indien schon vor mehr als 3.000 Jahren mit der Auslese bitterarmer Formen begonnen. Über den Orient gelangte die neue Kultur  zu uns und ist seit dem späten Mittelalter verbreitet.

Obwohl die Sortenvielfalt groß ist, werden heute fast ausschließlich bitterfreie Hybrid-Sorten angebaut. Eigentlich ist die Gurke einhäusig, trägt also rein männliche und rein weibliche Blüten an derselben Pflanze (wie bei den Verwandten Kürbis und Zucchini). Durch langjährige Anstrengung ist es gelungen, rein weibliche Pflanzen zu züchten, die ohne Bestäubung und Samenbildung Früchte bringen, man spricht von Parthenokarpie (Jungfernfrüchtigkeit). Die Hybridsorten lassen sich nicht selbst vermehren und müssen immer wieder neu gekauft werden. Durch die Wahl zum Gemüse der Jahre 2019-2020 möchte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt auf die schwindende Sortenvielfalt hinweisen.

Im Garten sind die Ansprüche der Gurken hoch: lockerer, humusreicher Boden, Wärme und Feuchtigkeit sind für gutes Wachstum wichtig. Als Starkzehrer braucht sie gute Nährstoffversorgung und regelmäßig Wasser für eine reiche Ernte. Die Voranzucht darf nicht vor Mitte, besser Ende April erfolgen, damit sie in der richtigen Größe nach den Eisheiligen Mitte Mai nach draußen können. Für Gewächshaus oder Frühbeetkasten kann entsprechend früher begonnen werden. Freilandgurken können direkt ab Mitte Mai gesät werden. Die Wahl robuster Sorten muss Vorrang haben, damit keine Probleme mit Falschem Mehltau auftauchen, dem häufigsten Pilz bei Gurken.

Trockenheit vertragen Gurken gar nicht. Als echte Monsun-Kinder lieben sie Feuchtigkeit! Im Hochsommer dürfen und sollen daher auch die Blätter übergossen werden – genau anders als bei Tomaten. Wer das beherzigt, dem bringen die Pflanzen reiche Ernte und viel Freude. – Wem die Ernte zu reich wird, der kann sie süß-sauer einlegen und hat Vorrat für den Winter. Das geht auch mit Salat-/Schlangengurken.

Arzneipflanze des Jahres – Echter Lavendel

Aus dem Mittelmeerraum stammt der Echte Lavendel, ein niedriger, graufilzig behaarter und stark aromatisch duftender Halbstrauch. Halbstrauch deshalb, weil die jungen Triebe erst im Folgejahr verholzen. Besonders die unverholzten Zweige und Blätter sind reich an Öldrüsen und ätherischen Ölen. Ebenso die violettfarbenen Blüten, die im Juni über den Sträuchern stehen und als Gewürz, Heilpflanze und Arznei genutzt werden.

Bereits in der griechisch-römischen Antike war Lavendel wertgeschätzt. Der botanische Name Lavandula kommt von lateinisch lavare = waschen und zeigt, dass er schon früh für Waschwasser und Bäder genutzt wurde. Der Name des echten Lavendels, Lavandula angustifolia, nimmt auf die schmalen Blätter Bezug (angustifolia = schmalblättrig), der ältere Name Lavandula officinalis auf die medizinelle Verwendung.

Genutzt wird Lavendel wegen der beruhigen Wirkung, zur Entspannung und für guten Schlaf. Auch in Kosmetik und der Parfümerie ist er beliebt. Sogar zur Insektenabwehr finden Lavendelblütensäckchen Verwendung. Wegen der jahrhundertelangen medizinellen Tradition wurde der Echte Lavendel durch den Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Im Garten kann der Lavendel nach dem Vorbild seiner Heimat nicht trocken und sonnig genug stehen. Im Gegenteil! Erst dann ist er gesund, reichblühend und langlebig. – Deshalb passt er nicht zu Rosen, die zwar auch viel Sonne, aber keine derart starke Trockenheit mögen. (Besser zu Rosen passen blaue Katzenminzen.)

In der Küche finden die jungen Blätter als Ergänzung zu kräftigen Gerichten und in Soßen Verwendung, ähnlich dem Rosmarin. In Salaten sollte man ihn wegen der starken Würzkraft vorsichtig verwenden. Spannend ist Lavendel in Desserts, Sekt oder in Lavendelplätzchen (z.B. in einen Butterplätzchen-Teig einige Lavendelblüten geben oder Butterplätzchen mit Zuckerguss und Lavendelblüten verzieren). Dann umspielt uns der mediterrane Charme und entführt uns in den warmen Süden.

Heilpflanze des Jahres – Wegwarte

Nachdem die gemeine Wegwarte bereits 2005 Gemüse des Jahres und 2009 Blume des Jahres gewesen war, ist sie nun Heilpflanze des Jahres.

Cichorium intybus, so der botanische Name gehört zur großen Gruppe der Korbblütler und wächst in Mitteleuropa häufig an Weg- und Straßenrändern. Die Blüte ist nichts für Langschläfer: von Sonnenaufgang bis zum späten Vormittag sind die wunderschönen hellblauen Blüten offen, dann schließen sie sich. Samen werden reichlich gebildet. Die jungen Sämlinge sehen dem Löwenzahn sehr ähnlich.

Die Wildform ist es wert, im Garten ausgesät zu werden. Sie kommt sogar in Pflasterfugen, auf Kieseinfahrten und magersten Standorten zurecht. Auf nährstoffreichen Böden ist sie kurzlebig. Selten tauchen auch  Pflanzen mit rosa oder weißen Blüten auf. Wer diese vermehren möchte, kann die Pflanze durch Wurzelschnittlinge vermehren (dickere Wurzeln in Stücke schneiden und einpflanzen) – genau wie es beim Löwenzahn-Ausstechen ungewollt passiert.

Häufiger finden wir die Zuchtformen der Wegwarte im Gemüsebeet: Chicorée, Zuckerhut, Radicchio oder Schnittzichorie (= Catalogna = wird bei uns als „Italienischer Löwenzahn“ angeboten). Die enthaltenen Bitterstoffe sind gesund für unsere Verdauung und sollten viel häufiger gegessen werden. Die Wurzeln gibt es sogar als Zicchorien-Kaffee, koffeinfrei versteht sich.

Mit der Wahl zur Heilpflanze des Jahres greift der Paracelsus-Verein die traditionelle Verwendung der Wurzel bei leichten Verdauungsbeschwerden und zeitweisem Appetitmangel auf. Eine verkannte Kostbarkeit am Straßenrand, achten Sie mal drauf.

Orchidee des Jahres – Breitblättriges Knabenkraut

Noch recht häufig kommt in ganz Bayern und Deutschland das Breitblättrige Knabenkraut vor. Um aber auf die Gefährdung des Lebensraums hinzuweisen, fiel die Wahl des Arbeitskreis Heimische Orchideen auf diese Art.

Lieblingsstandorte der typischen Feuchtgebietspflanze sind nasse Weiden und Wiesen. Doch auch auf anderen Standorten und einstigen Abgrabungen wächst sie, wenn die Wasserversorgung ausreichend ist. Auch in manche Gärten wagt sie sich im Voralpenland.

Dactylorhiza majalis, so der botanische Name, überwintert unterirdisch – wie für Knabenkräuter typisch – mit einer fingerförmig geteilten Knolle (griechisch daktylos = Finger, rhiza = Wurzel). Der Austrieb folgt im zeitigen Frühjahr, die Blätter sind meist oberseits gefleckt. Die Blütezeit beginnt im Mai (lateinisch majalis = im Mai) und zieht sich in höheren Lagen durchaus bis in den Juli. Bis zu 50 cm hoch wird die gesamte Pflanze.

In der Vergangenheit sind Naturvorkommen durch Düngung, Trockenlegung, fehlende Mahd oder nicht abgestimmte Beweidung verloren gegangen. Pflege-, Naturschutz- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen konnten hier erfolgreich Standorte sichern. Durch den Klimawandel und fehlende Niederschläge im zeitigen Frühjahr entsteht aber eine neue Gefährdung. Trockenheit im Frühjahr verträgt die feuchtigkeitsliebende Orchideenart gar nicht.

Für den Garten eignen sich Knabenkräuter kaum. Überhaupt sind winterharte Orchideen nur sehr selten im Gartenhandel zu bekommen. Achtung, die Ansprüche an Boden und Pflege sind extrem hoch, Ausfälle keine Seltenheit! Wenn sich die Orchideen selbst angesiedelt haben und in der Blumenwiese oder dem Obstanger stehen, muss mit der Mahd bis zur Reife der Samen gewartet werden. Nur so kann sich der botanische Schatz dauerhaft halten und vermehren.

Giftpflanze des Jahres – Tollkirsche

Tief in die antike Mythologie greift die Wahl der Tollkirsche (botanisch Atropa belladonna) zur Giftpflanze des Jahres. Die Schicksalsgöttin Atropos (= die Unabwendbare) war in der griechischen Götterwelt  beauftragt, die Art und Weise des Todes eines Menschen zu wählen und den Lebensfaden zu durchtrennen.

Dass die Einteilung von Gift- und Heilpflanzen fließend sein kann, zeigt die Wahl der Tollkirsche durch den Botanischen Sondergarten Wandsbek: früher tropften sich Frauen den Saft in die Augen, weil die leichte Giftwirkung die Pupillen weitet und große, dunkle Augen als besonders schön galten. Der zweite Teil des botanischen Namen hält dies fest: belladonna = schöne Frau. – Auch heute noch beruht die Untersuchung beim Augenarzt auf dieser Eigenschaft, aber es sind andere Stoffe, deren Wirkung nur kurz anhält und nicht wie bei der Tollkirsche bis zu mehreren Tagen! Die geweitete Pupille lässt tief ins Auge schauen und die Netzhaut untersuchen.

Die Tollkirsche gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist in allen Pflanzenteilen sehr stark giftig. Auch die süßlichen Beeren sind giftig und dürfen nicht verzehrt werden! Im Verdachtsfall ist umgehend ein Arzt afuzusuchen! Der deutsche Name bezieht sich nicht auf den heute positiven Ausruf „toll“, sondern auf die Giftwirkung und damit verbundene Wahnzustände. Die Tollkirsche war Bestandteil sogenannter Hexensalben und sollte sogar beim Fliegen helfen – es waren aber eher die Wahnzustände und damit verbundene Halluzinationen. Andere Namen sind Wolfsauge, Tollkraut, Tollbeere oder Teufelsbeere.

In der Natur wächst die krautige, sommergrüne Staude gerne an Waldrändern. Sie überwintert mit ihrer rübenförmigen, dicken Hauptwurzel versteckt im Boden, treibt im Frühjahr aus und wird meist 1,5 m hoch. Die blass braunvioletten Blüten sind eher unscheinbar. Glänzend schwarz und auffallend sind aber die Beeren, die für Vögel veträglich sind. So werden die Samen verteilt und können an anderen Orten keimen. Es gibt auch eine Auslese mit gelben Früchten.

Einen Gartenwert hat die Tollkirsche nicht. Aufgrund der Giftigkeit sollte auf sie verzichtet werden.

Staude des Jahres – Rutenhirse (Panicum)

Der Bund deutscher Staudengärtner hat die Rutenhirse zur Staude des Jahres gekürt und setzt damit ein Zeichen in mehrerlei Hinsicht. Entgegen dem deutschen Namen sind die Panicum-Gräser sehr attraktiv, robust und trockenheitsverträglich. Ein Muss in jedem Garten.

Heimat der Panicum-Gräser sind die Prärien Nordamerikas. Der deutsche Name Rispenhirse findet sich im botanischen wieder: lateinisch panus = Rispe der Hirse.

Aus der Gartengestaltung sind Gräser allgemein und Panicum im Besonderen nicht mehr wegzudenken. Sie bringen Leichtigkeit, Fülle und Eleganz, wiegen sich im Wind, machen Pflanzungen lebendig und abwechslungsreich. Je nach Sorte stehen die dünnen Halme straff aufrecht, mal neigen sie sich, sind grün, graublau oder glänzen ab dem Sommer mit rötlichen Spitzen. Herausragend ist die Wirkung ab dem Spätsommer, es sind echte Late-Season-Grasses (Spät-Saison-Gräser). Dann gesellen sich die filigranen Blütenstände zum Laub und ergänzen gröbere Nachbarpflanzen mit Leichtigkeit. Den krönenden Abschluss bereiten viele Sorten mit leuchtenden Gelb- und glühenden Rottönen im Herbst. Ein wahres Farbenfeuerwerk.

Panicum-Gräser passen nicht nur zu trockenliebenden Stauden wie den Scheinsonnenhüten (Echinacea), sondern auch zu Bauerngarten-Klassikern wie Stauden-Pfingstrosen, Astern oder Chrysanthemen. Wichtig ist vor allem eines: volle Sonne. Die Pflanzung sollte im Frühjahr erfolgen, damit die Gräser bis zum Herbst gut eingewurzelt sind. Und auch im Winter machen sie eine gute Figur, deshalb mit dem bodenebenen Rückschnitt unbedingt bis zum Frühjahr warten.

Weitere Infos und empfehlenswerte Sorten finden sich hier: Flyer Panicum – Staude des Jahres 2020

Bildnachweis:
Michael Luckas (Robinie), Markus Breier (alle anderen)