Traunsteiner Saatguttag – online

Seite 1 – Sorteninfos, Merkblätter, Hintergründe

(Seite 2 – Markt der Vielfalt finden Sie HIER)

Was haben der Rote Augsburger, die Schwarze Ungarin und die Bamberger Blaue gemeinsam? – Richtig, es sind Gemüsesorten! Sie stehen stellvertretend für die Vielfalt an Formen, Farben, Geschmack und wunderbaren Namen. Sie vereinen Geschichte und Zukunft. Und sie lassen sich weitervermehren, tauschen und – am wichtigsten – zu hervorragenden Gerichten verarbeiten.

Kommen Sie mit auf Entdeckungsreise und erfahren Sie allerhand zur Sortenvielfalt!


Der Traunsteiner Saatguttag wird getragen von:

In Zusammenarbeit mit den 51 Obst- und Gartenbauvereinen im Landkreis Traunstein.

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Rückblick

Im Frühjahr 2020 fand der 1. Traunsteiner Saatguttag im Vereinsheim Vachendorf statt. Hunderte Besucher lauschten den Vorträgen, informierten sich an den Ständen und tauschten oder erwarben abwechslungsreiche Sorten für Balkon und Garten.

Bilder und Eindrücke:

1. Traunsteiner Saatguttag 2020


Sortenvielfalt – damals und heute

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Generationen von Gärtnern, Landwirten und Züchtern haben aus den einst wilden Vorfahren unserer Nutzpflanzen diejenigen ausgelesen und vermehrt, die ganz bestimmte Eigenschaften hatten. Das waren beispielsweise Fruchtgröße, Farbe, Geschmack oder Robustheit gegen Krankheiten. Je einheitlicher hierbei die Nachkommen wurden, umso mehr konnte und kann man im heutigen Sinne von Sorten sprechen. Das heißt zum Beispiel: die Pflanzen einer Tomatensorte sind untereinander weitgehend gleich in Wuchs, Fruchtform, Fruchtfarbe und Geschmack. Die Einheitlichkeit einer Sorte sorgt für planbaren Erfolg im Profianbau wie im eigenen Garten. Wir wissen, was die Sorte auszeichnet, wie sie schmeckt, ob wir sie auch kommendes Jahr anbauen wollen oder welche besonderen Ansprüche sie im Anbau an uns stellt.

Wollen wir die Sorten selber nachziehen – wie es über Jahrtausende selbstverständlich war – so ist ein weiteres Kriterium entscheidend: die Sorte muss samenfest sein.

Samenfest ist eine Gemüsesorte immer dann, wenn sie Samen bilden kann und diese Samen dieselben sortentypischen Eigenschaften haben wie die Elternpflanzen. Samenfest heißt also, dass sich die Sorte aus eigenem Saatgut wieder nachziehen lässt. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um eine historisch alte oder moderne neue Sorte handelt. Wichtig ist aber, dass nur Früchte und Pflanzen vermehrt werden, die die sortentypischen Eigenschaften aufweisen. Eine gewisse Auslese muss in jeder Generation durch den Vermehrer sein.

MERKE
Samenfeste Sorten können selbst vermehrt werden und gleichen den Eltern.

Für Hybridsorten werden zwei getrennt eigenständige Sorten auf bestimmte Merkmalen gezüchtet und vermehrt. Diese Elternlinien/-sorten sind für sich allein noch nicht überzeugend. Werden sie aber gekreuzt und damit gezielt kombiniert, entsteht eine Hybride, welche bestimmte Eigenschaften beider Eltern kombiniert. Das drückt sich beispielsweise durch einen hohen Ertrag und robuste Pflanzen aus. Es handelt sich um eine F1-Hybride (F1 = 1. Filial-Generation = 1. Tochter-Generation).

Im Gegensatz zu samenfesten Sorten lassen sich Hybridsorten aber NICHT aus dem eigenen Saatgut wiederbringen. Hybriden müssen in jeder Generation aufwändig und neu „hergestellt“ werden. Würde man Saatgut der F1 nehmen, wären die Pflanzen der Folgegeneration (F2) extrem verschieden und nur in seltenen Fällen gut brauchbar.

Hybridsorten kommen erst seit einigen Jahrzehnten zum Einsatz und haben mit der traditionellen, eigenen Vermehrung nichts zu tun. Die Anbauer sind jedesmal auf Zukauf angewiesen und damit vom Saatgutproduzenten abhängig.

MERKE
F1-Sorten müssen für jede Aussaat professionell neu gekreuzt/hergestellt und damit jedesmal neu gekauft werden.


1. Verlust der Vielfalt

saatgut gemueseEinst gab es viele lokale und regionale Sorten unserer Nutzpflanzen. Überall auf der Welt! Zum einen war der Tausch mit entfernten Gegenden nicht so leicht wie heute, zum anderen sorgte die regelmäßige, lokale Vermehrung dafür, dass sich die Sorten anpassten an die örtlichen Gegebenheiten, ans regionale Klima, die regionalen Bodenverhältnisse und Besonderheiten. Die Vermehrer suchten nämlich immer die besten Pflanzen aus und so entstanden im Laufe der Zeit lokale Sorten und sogenannte Landrassen – letztere sind nicht ganz einheitlich und es kann sein, dass sich in jeder Gärtnerfamilie eine minimal andere Form entwickelt hat. Eine eigene Haussorte sozusagen.

Die Konzentration auf immer weniger anbauende Betriebe mit großen Produktionsmengen sorgten und sorgen für eine Reduzierung auf wenige Sorten. Gefragt sind dann beispielsweise hohe Erträge, einheitliche Früchte oder gute Transportfähigkeit. Die regional angepassten Haus- und Landsorten gehören damit meist der Vergangenheit an. Nach Angaben der Welternährungsorganisation verschwanden weltweit etwa 75% der Nutzpflanzensorten, in unseren Industrieländern sind es gar über 90%.

2. Brauchen wir so viele Sorten?

Zu Züchtung und Entwicklung neuer Sorten gehört eine strenge Auslese. Immer schon. Es gilt der Grundsatz: „Das Bessere ist der Tod des Guten.“ Das heißt, eine in bestimmten Eigenschaften bessere Sorte ersetzt eine bisherige. Auch brauchen wir so viele Sorten nicht, um große Mengen zu produzieren und kurzfristig satt zu werden – das schaffen wir mit wenigen.

ABER:

  • Wir brauchen die unterschiedlichen Sorten, damit genetische Vielfalt bestehen bleibt und zukünftigen Generationen für Züchtungen im veränderten Klima zur Verfügung steht.
  • Wir brauchen die vielen Sorten, weil sie eine Breite an Geschmack, an gesunden Inhaltsstoffen, an Farben und F0Rm€n bieten.
  • Wir brauchen viele samenfeste Sorten, um selbstbestimmt das Kulturgut „SORTENVIELFALT“ zu pflegen und nicht von Züchtungsfirmen abhängig zu sein.
  • Und wir wollen die bunte, abwechslungsreiche Vielfalt – weil sie schön ist und gut schmeckt :-)

Interessante Einblicke zeigen die Kurz-Reportagen des NDR:

„Ökologische Saatzucht contra Welt-Konzerne“(3 min.)
über die biologisch-dynamische Gemüsezüchtung beim Kultursaat e.V. (3 min.)

„Bio-Apfelzüchtung in eigener Hand“ (3 min.)
über die Apfelzüchtung bei apfel:gut e.V.


3. Was kann ich selber tun?

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Entscheidend für den Erhalt und die Pflege der Vielfalt sind:

  • Samenfeste Sorten wählen
  • Regionale Sorten und Raritäten vermehren
  • Nutzpflanzen nicht nur verwerten, sondern auch Samen ernten und weitergeben
  • Gemeinsam aktiv sein und sich mit Freunden, Nachbarn und im (Gartenbau-)Verein austauschen

Hinweise zur richtigen Samenernte finden sich in den später folgenden Merkblättern. Manche Vereine bieten besondere Kurse und Vorträge an. – So auch die Vorträge bei unserem Saatguttag in Vachendorf.


4. Bestäubung, Befruchtung und Vermehrung

Die Vermehrung unserer Nutzpflanzen ist je nach Art ganz verschieden. Wir können im Groben drei Gruppen unterscheiden:

Nein, traditionelles Klonen hat nichts mit Gentechnik zu tun, sondern ist eine der ältesten gärtnerischen Tätigkeiten. Klonen heißt nur, dass eine Pflanze zur Vermehrung geteilt wird oder Teile von ihr abgetrennt werden. Die genetische Ausstattung bleibt absolut identisch und damit auch die Sorteneigenschaften.
Beispiele:

kartoffeln

  • Wurzelausläufer von Himbeeren, Pfefferminze
  • Ableger von Erdbeeren
  • Knollen von Kartoffeln oder Topinambur
  • Zehen beim Knoblauch
  • Stecklinge oder Steckholz von Johannisbeeren, Stachelbeeren
  • (Edel-)Reiser von Apfel, Birne und allen Obstbäumen
  • Teilung von Schnittlauch oder Rhabarber

Unser Tipp

Mehr Einblick und Anleitung bietet das kostenlose Merkblatt des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e.V.:

MERKBLATT – Eigene Saatgutgewinnung bei Gemüse


Anbau im Garten, auf Balkon und Terrasse

hochbeetEntscheidend für den erfolgreichen Anbau von Gemüse, Kräutern und allen anderen Nutzpflanzen ist die Wahl der richtigen Sorte. Wesentliche Faktoren sind dabei Geschmack, Ertrag, aber auch leichter Anbau und die Robustheit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Nicht zu vergessen sind Düngung, Boden, Klima und Pflege. – Dies alles zu erläutern, dafür reicht der Platz nicht aus. Hinweise in Kürze bieten die Saatgutpäckchen oder Tauschpartner. Es sei hiermit vor allem auf erfahrene Gartler in der Nachbarschaft und die vielfältigen Angebote der örtlichen Obst- und Gartenbauvereine (Kurse, Vorträge, Veranstaltungen) verwiesen.

Der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V. stellt auf seiner Internetseite viele Merkblätter rund um den Garten kostenfrei zur Verfügung. Nachfolgend einige ausgewählte.

Weitere, kostenfreie Merkblätter des Landesverbandes rund um den Garten:
www.gartenbauvereine.org/fachinformationen-3/merkblaetter/

Umfangreiche Fachblätter und die lohnenden, mehrseitigen, neuen GärtnerWissen:
www.shop.gartenratgeber.de/Fachblaetter/
(Für Mitglieder zum halben Preis.)

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Markt der Vielfalt – Aussteller und Anbieter

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